Enterprise 2.0 - Warum in die Ferne schweifen?
Im letzten Jahr hat das GfWM Fachteam Wissensmanagement das Positionspapier "Wissensmanagement und Enterprise 2.0" veröffentlicht, das Berührpunkte aber auch Abgrenzung der beiden Themen leisten soll. Kern des Papiers ist die These, dass man Enterprise 2.0 (E20) nicht "einführen", sondern nur "werden" kann. E20 ist also nach unserer Auffassung kein IT-Implementierungs- sondern ein Organisationsentwicklungsthema. Mittlerweile gibt es auch eine englische Version des Papiers und wir arbeiten aktuell daran, Feedback von anderen E20-Communities einzuholen, um das Positionspapier zu einer neuen Version weiterzuentwickeln (siehe nächste Schritte im GfWM Wiki).
Im Rahmen dieser Feedback-Schleife kam von Dr. Alexander Richter eine sehr berechtigte Kritik: das Positionspapier enthält überwiegend Referenzen aus dem amerikanischen Sprachraum (z.B. Gartner, McKinsey, McAfee) wodurch der Eindruck erweckt werden könnte, dass Europa in dieser Hinsicht nichts zu bieten hat. Das ist übrigens definitiv nicht meine Meinung, deswegen nehme ich die Kritik sehr ernst (Boris Jäger hatte bei Ankündigung damals ja auch auf Literatur aus dem deutschen Sprachraum hingewiesen).
Das hat mich nochmal dazu gebracht die Entstehungsgeschichte des Papiers und meine Beteiligung nachzudenken. Im Rahmen des KnowledgeCamp 2010 gab es in mehreren Sessions und Gesprächen (u.a. mit Björn Negelmann, einem der Organisatoren des Enterprise 2.0 Summits) Thesen wie "Enterprise 2.0 löst Wissensmanagement" ab. Im Nachgang wurde ich zum Enterprise 2.0 Summit nach Frankfurt eingeladen, um an einer Panel-Diskussion mit einem "Wissensmanagement-Lager" (u.a. mit Manfred Langen von Siemens) und einem "Enterprise-2.0-Lager" (u.a. mit Luis Suarez von IBM) mit jeweils drei Personen teilzunehmen (s.a. Cogneon Newsletter 11/2010).
Bei diesem Panel wurde mir klar, dass Wissensmanagement in der Fremdwahrnehmung sehr stark auf die berüchtigte "Wissensdatenbank" und andere Ansätze, die noch aus dem letzten Jahrtausend kommen, reduziert wird. In Einsteiger-Veranstaltungen wie denen z.B. "WM in Unternehmen" von Management Circle und den Seminaren der Zeitschrift Wissensmanagement werden "Wissensdatenbanken", "Wissensportale" und "Wissensmanagement mit SharePoint" noch als Trendthemen(!) bezeichnet und davon spricht im Wissensmanagement nun heute wirklich niemand mehr.
Deswegen habe ich mich beim GfWM Aktiventreffen am 09.04.2011 (s.a. diesen Blog-Eintrag) mit dafür eingesetzt ein entsprechende Positionspapier zu verfassen und dafür zu sorgen, dass wir nach dem E20-Hype nicht in einem ähnlichen Tal der Tränen landen, wie nach der Jahrtausendwende mit Portalen, DMS, CMS & Co. Wie so oft in der Vereinsarbeit müssen solche Projekt durch Freiwillige in der Freizeit gemacht werden und das bedeutet wenig Ressourcen. Dieser Tatsache ist es geschuldet, dass das Positionspapier hauptsächlich die populären (angloamerikanischen) Quellen aufgreift. Inhaltlich war bei uns ein sehr starker Fokus darauf, die Brücken zu den anderen Vorarbeiten des Fachteams in Form der GfWM Wissenslandkarte, des GfWM Wissensmanagement-Modells (mit der Lernenden Organisation im Zentrum) und des D-A-CH Wissensmanagement Glossars zu bauen. Die E20-Quellenrecherche ist aus diesem Grund im Projektplan etwas knapper ausgefallen.
Herr Richter hat in seinem Feedback darauf hingewiesen, dass es auch hier im deutschprachigen Raum sehr wertvolle Beiträge zum Thema Enterprise 2.0 gibt, die auch international Anerkennung erfahren, z.B.
- Prof. Andrea Back: E20-Reifegrade
- Prof. Michael Koch: Groupware vs. E20
- Prof. Petra Schubert: 8C-Modell
- Prof. Stefan Smolnik: E20-Erfolgsmessung
- Dr. Alexander Stocker: E20-Erfolgsfaktoren
Und damit hat er natürlich absolut recht! Ich werde mich dafür einsetzen, dass in die nächste Version des Positionspapiers das "Enterprise 2.0 made in Europe" sehr stark einfließen wird.
- simon.dueckert's blog
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Kommentare
Hallo Herr Dückert, vielen
Hallo Herr Dückert, vielen Dank für die Erwähnung.
In meinen Vorträgen mache ich das immer so:
Enterprise 2.0 kann man aus zwei Perspektiven betrachten.
- Einsatz von Social Software zwischen Mitarbeiter, Kunden, Partnern und Lieferanten (die originäre Definition, welche mehr Wert auf die technologiebezogenen Aspekte legt)
- Transformation der Unternehmen zu mehr Offenheit, Transparenz, ..... usw. welche durch Social Software unterstützt werden kann (die erweiterte Definition, welche mehr Wert auf den Veränderungsprozess von Organisationen hinsichtlich ihres Leidensdrucks legt).
Viele Grüße aus Graz
Alexander Stocker
Mehr dazu auf http://www.alexanderstocker.at/2012/05/enterprise-20-auf-den-wissensmanagement.html